Übersicht
- Definition & Zielbild
- Gestaltungselemente
- Unternehmensspezifische Gestaltung
1 Definition & Zielbild
Gemäß der International Labor Organisation (ILO) ist das Workplace Learning – das Lernen am Arbeitsplatz – der Erwerb von Wissen oder Fertigkeiten durch formelle oder informelle Mittel, der am Arbeitsplatz stattfindet.
Heute ist das Ziel eines modernen Workplace Learning, Lernen als Teil der Arbeit bei den Mitarbeitenden zu verankern und das unmittelbar und mittelbar benötigte Wissen dem einzelnen Mitarbeitenden bei Bedarf zur Verfügung zu stellen.
Es soll zu einer schnelleren Problemlösungsfähigkeit, durch den Kompetenzaufbau zu einer höheren Innovationsfähigkeit und damit zu einem messbaren Business Impact führen. Auch ist es ein Element der Mitarbeiterbindung.
Um das moderne Workplace Learning zu ermöglichen, ist ein Lernökosystem vorzuhalten. Es ist unternehmensspezifisch zu gestalten und kann u.a. folgende Elemente enthalten.
2 Gestaltungselemente des modernen Lernens am Arbeitsplatz
Gestaltungselemente von Workplace Learning laßt sich in 15 Kategorien unterteilen, die – naturgemäß – nicht überschneidungsfrei sind:
- Formelles Lernen
- Informelles Lernen
- Arbeitsintegriertes Lernen
- Soziales & kollaboratives Lernen
- Digitales Lernen & Content-Formate
- KI-gestütztes Lernen
- Erfahrungs- & projektbasiertes Lernen
- Reflexions- & Transferformate
- Coaching & individuelle Entwicklung
- Lernökosysteme & Plattformen
- Externe Lernquellen & Open Learning
- Kultur- & organisationsbezogene Lernansätze
- Innovative & zukunftsorientierte Ansätze
- Lernen entlang der Employee Journey
- Lernstrategien & didaktische Konzepte
2.1 Formelles Lernen (strukturiert & geplant)
Klassische & digitale Formate
- Präsenztrainings & Seminare
- Workshops & Bootcamps
- E-Learning-Kurse (SCORM, xAPI)
- Blended Learning (Kombination Präsenz + digital)
- Virtuelle Klassenzimmer (Live-Webinare)
- Zertifizierungsprogramme
- Akademien & Corporate Universities
2.2 Informelles Lernen (arbeitsnah & selbstgesteuert)
- Learning by Doing
- Lernen durch Beobachtung (Shadowing)
- Erfahrungsaustausch im Arbeitsalltag
- Fehlerbasiertes Lernen („Fail fast“)
- Wissenssuche im Moment of Need
- Selbststudium (Artikel, Videos, Podcasts)
2.3 Arbeitsintegriertes Lernen (Learning in the Flow of Work)
- Performance Support Tools (Checklisten, How-tos)
- Kontextbezogene Lernimpulse im Arbeitsprozess
- In-App-Guides & Walkthroughs
- Micro-Learning direkt im Tool (z. B. MS Teams, CRM)
- Job Aids & digitale Nachschlagewerke
- Embedded Learning in Software
2.4 Soziales & kollaboratives Lernen
- Communities of Practice
- Peer Learning & Peer Coaching
- Mentoring & Reverse Mentoring
- Learning Circles
- Working Out Loud (WOL)
- Interne Lerncommunities
- Expertennetzwerke
- Social Learning Platforms
- Lernen über Enterprise Social Networks (Teams, Slack, Viva)
2.5 Digitales Lernen & Content-Formate
- Microlearning (3–10 Minuten)
- Learning Nuggets
- Videos (Short Videos, Erklärvideos)
- Podcasts & Audio Learning
- Interaktive Lernmodule
- Simulationen & Szenarien
- Gamification
- Serious Games
- Mobile Learning
- Adaptives Learning, im besten Fall personalisert und in Echtzeit
2.6 KI-gestütztes Lernen
- KI-basierte Lernempfehlungen
- Personalisierte Lernpfade
- KI-Tutoren & Lerncoaches
- Chatbots für Wissensabruf
- Skill-Gap-Analysen mit KI
- Automatische Content-Erstellung
- Adaptive Assessments
- Learning Experience Platforms (LXP) mit KI
2.7 Erfahrungs- & projektbasiertes Lernen
- Lernen in realen Projekten
- Job Rotation
- Stretch Assignments
- Action Learning
- Innovationsprojekte
- Cross-funktionale Projekte
- Hackathons
- Design Thinking Sprints
2.8 Reflexions- & Transferformate
- Lernjournale & Learning Logs
- Retrospektiven
- After Action Reviews
- Lessons Learned Sessions
- Coachinggespräche
- Transferaufgaben
- Lernzielvereinbarungen
2.9 Coaching & individuelle Entwicklung
- Einzelcoaching
- Teamcoaching
- Führungskräftecoaching
- On-the-Job-Coaching
- Peer Coaching
- KI-Coaching
- Micro-Coaching
2.10 Systeme & Plattformen
- Learning Management Systeme (LMS)
- Learning Experience Platforms (LXP)
- Wissensmanagementsysteme
- Talent- & Skill-Management-Systeme
- Content Curation Plattformen
- Experience APIs (xAPI)
- Learning Analytics & Dashboards
2.11 Externe Lernquellen & Open Learning
- MOOCs (Coursera, edX, Udemy, LinkedIn Learning)
- Fachkonferenzen & Meetups
- Online Communities
- Fachblogs & Newsletter
- Open Educational Resources (OER)
- Expertennetzwerke & Coaches
2.12 Kultur- & organisationsbezogene Lernansätze
- Lernkultur-Programme
- Fehler- & Feedbackkultur
- Führung als Lernförderung
- Psychological Safety
- Lernzeit-Modelle
- Selbstorganisiertes Lernen
- Kompetenzbasierte Entwicklung
- Skill-basierte Organisation
2.13 Innovative & zukunftsorientierte Ansätze
- Virtual Reality (VR) Learning
- Augmented Reality (AR) Learning
- Metaverse-Lernen
- Immersive Learning Experiences
- Digital Twins
- Wearable Learning
- Neuro-Learning-Ansätze
2.14 Lernen entlang der Employee Journey
- Onboarding Learning Journeys
- Upskilling & Reskilling
- Leadership Development
- Karrierepfade
- Succession Learning
- Offboarding & Wissenssicherung
2.15 Lernstrategien & didaktische Konzepte
- 70-20-10-Modell
- Kompetenzorientiertes Lernen
- Problem-basiertes Lernen
- Case-based Learning
- Agile Learning
- Design for Learning Transfer
- Self-Directed Learning
Modernes Workplace Learning kann heute personalisiert gestaltet werden.
Zudem ist es
- arbeitsintegriert
- sozial & kollaborativ
- daten- & KI-gestützt
- kontinuierlich statt punktuell
3 Unternehmensspezifische Gestaltung des Workplace Learnings
Die Kunst ist es nun, ein effektives spezifisches Workplace Learning für Ihr Unternehmen (weiter-) zu entwickeln.
Eckdaten für den ersten Schritt sind die Unternehmensstrategie, die bereits vorhandene IT-Ausstattung, die Dringlichkeit spezifischer Content-Vermittlung sowie das Budget.
Und selbstverständlich sind die Führungskräfte und Mitarbeitenden mitzunehmen.
Eine Roadmap ist entsprechend spezifisch zu erstellen.
Der Aufbau wird iterativ sein: z.B. nach Dringlichkeit gestaffelt.
Priorisierte Hebel können das arbeitsintegrierte Lernen (Flow of Work), soziales & kollaboratives Lernen sowie die Lernökosysteme & Plattformen sein.
Die strategische Priorisierung liegt beim Vorstand, Architektur & Enablement können bei der IT und HR / L&D liegen. Die Fachbereiche sind bei der Content-Erstellung als Co-Creators erforderlich und Führungskräfte haben ihre klassische Vorbildfunktion und sind Lern-Enabler.
Zeithorizonte können variieren, z.B. von sechs Monaten bis zu zwei Jahren.
Nach dem Ende des Einführungsprojekts sollte eine Wirkungsbilanz erstellt und die Lernerfolge sichtbar gemacht werden.
Es ist ein klares Operating Model festzulegen:
- Wer besitzt das Lernsystem?
- Wer pflegt Inhalte & Communities?
- Wer entscheidet über Weiterentwicklung?
- Welche Rolle haben Führungskräfte dauerhaft?
Ferner ist das Learning-System kontinuierlich zu prüfen:
- Was war erfolgreich, was nicht?
- Was kann neu aufgenommen werden?
- Welche Wirkung auf die KPIs gab es?
Es ist also stetig weiterzuentwickeln.
